Der Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig, Ulrich MarkurthZum 100-jährigen Bestehen des Landesverbandes Braunschweig der Gartenfreunde e. V. – in dem zwischen Goslar und Gifhorn, zwischen Peine und Helmstedt sowie in Hannover mehr als 34.000 Kleingärtnerinnen und Kleingärtner in über 300 Vereinen zusammengeschlossen sind – überbringe ich den Mitgliedern im Namen der Stadt Braunschweig, aber auch persönlich, meine herzlichen Grüße und Glückwünsche.

Die Braunschweigerinnen und Braunschweiger haben die Bedeutung der Kleingärten für ihre Lebensqualität schon vor über 100 Jahren erkannt: Bereits 1903 wurde – primär zur Versorgung der Pächter mit frischem Gemüse und Obst – der erste Schrebergartenverein in unserer Stadt gegründet. Heute sind über 100 Braunschweiger Kleingärtnervereine mit rund 7.900 Gärten im Landesverband organisiert. Dabei umfasst die Gesamtfläche der zumeist städtischen Anlagen fast 400 Hektar: Das entspricht der Fläche von rund 550 Fußballplätzen.

Wenn auch heute noch die Selbstversorgung der Mitglieder eine wichtige Rolle spielt, so kommt inzwischen – nicht nur in der Stadt Braunschweig, sondern im gesamten Landesverband – dem ökologischen Wert der Kleingartenanlagen eine besondere Bedeutung zu: Sie tragen nicht nur maßgeblich zur Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren bei, sondern wirken sich zudem positiv auf das Mikroklima aus. Daher liegt der Stadt viel daran, Kleingärtnervereine wohnungsnah zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Dankbar sind wir in diesem Zusammenhang dem Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde für die Ausbildung von Fachberaterinnen und Fachberatern, die die Mitglieder in den Vereinen in allen relevanten Fragen zur naturnahen Gartenbewirtschaftung und zum integrierten Pflanzenschutz im Kleingartenwesen beraten. Hinzu kommen Schulungen für Vorstandsmitglieder etwa zu Themen des Vereins- und Kleingartenrechts, zur Wert-Ermittlung der Parzellen oder zur Anlage von Obst-, Gemüse- oder Ziergärten.

Dabei kommt dem Braunschweiger Landesverband zugute, dass er als einziger nie-dersächsischer Verband über einen eigenen Lehr- und Versuchsgarten verfügt: Bereits 1953 wurde in Braunschweig mit maßgeblicher Unterstützung der Stadt der erste Lehrgarten für die Kleingartenbewirtschaftung angelegt. Seit 2015 befindet er sich – erneut ideell und finanziell durch die Stadt gefördert – am Rande des Braunschweiger Schul- und Bürgergartens.

Der neu angelegte Lehr- und Versuchsgarten besitzt ein Alleinstellungsmerkmal, das ihn von allen anderen Landesverbänden bundesweit unterscheidet. Denn die Möglichkeit, den Garten mit seiner breit gefächerten Themenpalette zu erkunden, steht durch eine barrierefreie Wegführung auch Menschen offen, deren Mobilität eingeschränkt ist. Zudem haben über akustische Hilfen wie einen Audioguide und durch Informationen in Brailleschrift seit einigen Jahren sowohl sehende als auch sehbehinderte Besucherinnen und Besucher die Chance, sich durch den Lehrgarten zu hören und zu fühlen.

Besonders freut mich, dass die Schulungsstätte am Lehrgarten nicht nur Mitgliedern der Vereine, sondern auch Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt zugutekommt. Vor allem durch Veranstaltungen für Kindertagesstätten und Schulklassen wurde der Lehrgarten zu einem „grünen Klassenzimmer“, in dem junge Menschen durch qualifizierte Berater lernen, die Natur im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.

Der Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde beschränkt sich allerdings keineswegs nur auf Anregungen für eine naturnahe Gartenbewirtschaftung, sondern ist sich auch der sozialen Bedeutung der Kleingärtnervereine bewusst. Denn durch das Miteinander und die Gespräche der Mitglieder sowie durch gemeinsame Aktivitäten mit Gleichgesinnten – unabhängig von Herkunft, Weltanschauung oder Religion – kommt den Vereinen eine bedeutende soziale Funktion zu.

Ein Musterbeispiel für die Aktivitäten des Braunschweiger Landesverbandes im sozialen Bereich ist der Interkulturelle Garten im Braunschweiger Kleingärtnerverein Heideland. Er wurde unter der Regie des städtischen Büros für Migrationsfragen mit maßgeblicher professioneller Unterstützung des Landesverbandes der Gartenfreunde von Geflüchteten angelegt und bietet ihnen – neben dem Anbau von Obst und Gemüse – einen Ort, an dem ihnen zugehört und bei Problemen Unterstützung angeboten wird. Dieses Projekt ist inzwischen weit über die Grenzen Braunschweigs hinaus bekannt und wurde vor einigen Jahren im Rahmen eines Kongresses des Office International – der größten europäischen Freizeitgärtnerorganisation – auf Vorschlag des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde mit einer Ehrenurkunde für soziales Engagement ausgezeichnet.

Lassen Sie mich zusammenfassend festhalten: Seit 100 Jahren ist der Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde e. V. in unserer Stadt und der Region die Interessenvertretung für eine naturnahe, umweltgerechte und gartenkulturelle Bewirtschaftung der Kleingärten mit einer starken sozialen Komponente – und ich bin überzeugt, dass der Landesverband diese Rolle in den kommenden Jahrzehnten genauso erfolgreich wahrnehmen wird wie bisher.

Ulrich Markurth

Ulrich Markurth
Oberbürgermeister

Foto: Stadt Braunschweig/Daniela Nielsen

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